Reisebericht  „ 13-tägige Kapstadt-Erlebnis-Reise“  mit „project:help“ e.V.

                                        von Andrea Huesmann:

 

 

Es gibt zwei Beweggründe, warum ich diesen Reisebericht schreibe:  zum Einen hat mich unsere

Reisegruppe dazu auserkoren und zum Anderen möchte ich einen etwas anderen Reisebericht schreiben.

Fakt ist, dass wir eine 13-tägige Südafrikareise „Kapstadt – Erlebnistour“ gebucht hatten.  Diese Tour war eine begleitete Gruppenreise und beinhaltete ein reichhaltiges Programm. Da wir fast alle aus dem Großraum Lingen kamen, war ein Vortreffen nicht kompliziert.

Die Erwartungen, Ängste, Freude, Bedenken und Personen waren recht unterschiedlich. Aber wir hatten uns schon mal alle auf’s „Du“ geeinigt! 

 

 

Tag 1

 

Am Samstag, dem 18.März geht es mit dem Bus von Lingen nach Frankfurt. Wir sind eine Gruppe mit 15 Personen, die von Barbara Greis begleitet wird.

Ab Frankfurt haben wir einen sehr entspannten, direkten Nachtflug nach Kapstadt.

 

 

Tag 2

 

Wir werden am Flughafen Kapstadt abgeholt und zu unserer Unterkunft gebracht, wo wir im wunderschönen Hotel Erinvale in Somerset West wohnen.  Nach einer kurzen Besprechung / Sektempfang  laufen wir zum gleich nebenan liegenden Weingut Lourensford.  Dort besuchen wir einen sehr interessanten Markt mit einheimischen Produkten, Spezialitäten und probieren natürlich den ersten Wein.

 

 

Tag 3

 

Wir haben Glück und es geht mit der Seilbahn auf den Tafelberg – bei wunderschönem, windstillem, sonnigem Wetter und viel zu warmen Temperaturen für diese Jahreszeit.  Einfach ein unbeschreibliches Erlebnis !  ( unbedingt mal google‘n)

Danach spazieren wir durch den Company’s Garden und machen eine kleine Stadtrundfahrt durch Kapstadt.

Der Abend klingt im Gold Restaurant aus. In diesem Erlebnisrestaurant wird zwar eine touristische Attraktion verkauft, aber der Trommelkurs sowie die 14 Gänge mit afrikanischen Spezialitäten werden so liebevoll präsentiert, dass man nie das Gefühl bekommt, dass es sich hier um eine touristische Abzocke handelt.

 

 

Tag 4

 

Wir fahren um die Kaphalbinsel. Zuerst geht es nach Camps Bay, einem Nobelviertel; weiter über den berühmten Chapman’s Peak Drive bis zum „Kap der Guten Hoffnung“. 

Der Rückweg führt durch  Kalkbay und Muizenberg über den Baden-Powell -Drive nach Somerset West  und klingt im hoteleigenen  Restaurant aus.

 

 

 

 

Tag 5

 

Heute besuchen wir  Amelias  Kinderheim im Township Mfuleni. Mama Amelia hat vor über 40 Jahren angefangen, Straßenkinder aufzunehmen, die ihr vor die Tür gelegt wurden oder auf anderem Wege zu ihr kamen. Sie selbst lebte in dem Township und hatte ihre Hütte anfänglich einfach weiter ausgebaut.

Diese unglaubliche starke Frau ist leider im Januar dieses Jahres verstorben. Aber ihre Tochter Princess führt zusammen mit ihrem Mann Gift die Einrichtung sehr engagiert weiter.

Meine Gefühle auf der Fahrt zu Amelia waren sehr gemischt. Auf der einen Seite hat es mich unheimlich interessiert, wie die Menschen dort arbeiten und leben. Wie ein solcher Ort wohl aussieht; auf der anderen Seite fand ich es sehr gewöhnungsbedürftigt , als Mensch, der noch niemals darüber nachdenken musste, wie er satt wird, dass er immer ein trockenes, warmes Zuhause hatte und Bildung, Ausbildung und Fortbildung als selbstverständlich ansieht, nun mit einem Bus wie auf einer Safari durch dieses Township fährt. Dann noch am Ort der Geschehnisse Bilder von Menschen macht, die für unsere Verhältnisse in großer Armut leben.  Barbara hat mir diese Zweifel genommen, in dem sie mir sagte, dass alle sich auf uns freuen und sehr stolz darauf sind, ihr Projekt vorstellen zu dürfen.

Mit einem trotzdem komischen Gefühl im Bauch bin ich aus dem Bus gestiegen und es war alles anders, als erwartet: die Kinder begrüßten uns mit Freude strahlenden Augen. Sie hatten viel Spaß beim Spielen und Toben mit uns. Wir hatten die Chance, mit allen Betreuern vor Ort zu sprechen; nichts war zur Schau gestellt. Wir konnten die Klassenzimmer betreten, dem Unterricht zuschauen und ich fühlte, dass diese Kinder dort sehr, sehr glücklich sind.  Die einzige Show, die uns geboten wurde, war ein Abschlusslied mit Tanz, in dem man sehen konnte, wie die Kinder spielerisch Englisch lernen. Es ist nicht immer einfach, auch für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, den Kindern, die oft nur ihre Stammessprache sprechen, dies beizubringen. Also eine TOLLE Show!

Am Nachmittag geht es weiter in den botanischen Garten „ Kirstenbosch“, danach klingt der Tag in Kapstadt an der Waterfront aus.

 

 

Tag 6

 

Heute geht es über Gordon’s Bay nach Hermanus, der beste Platz weltweit zum Beobachten der Wale ist. Leider sind wir zur falschen Jahreszeit hier, was wir aber vorher  wussten. Wenn wir schon keine Wale sehen, so entschädigen uns die Pinguine am „Stony Point“ ebenso wie ein fantastischer Blick während der Fahrt entlang der Küste.

Am Nachmittag sind wir auf einem Weingut, wo wir ein Winetasting gebucht haben. Auf dem Rückweg über den Sir Lowry’s Pass , wo man am höchsten Punkt  gewöhnlich die gesamte False Bay überblicken kann, kommen wir in ein Schlechtwettergebiet und erfahren zum ersten Mal, dass es hier auch sehr rau sein kann…

 

 

Tag 7

 

Als Erstes besuchen wir heute das durch „project:help“ e.V. unterstützte nächste  Projekt, Immanuel’s Haven. Kinder, die im häuslichen Umfeld schreckliche Dinge erleben mussten, wurden von der Begründerin Bubbles Strangman schon vor vielen Jahren aufgenommen. Heute lebt sie mit den Kindern auf diesem Farmgelände, auf dem sich auch noch eine Schule und ein Haus für Volontäre  ( Freiwillige) befinden.

Das neue Management, ein sympathisches  junges Ehepaar aus den USA, begrüßt uns sehr offen und herzlich. Wir können uns auf dem Gelände frei bewegen und die Schule für Kinder mit Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten alleine oder auf Wunsch mit entsprechenden Betreuern, die uns  alle Fragen offen beantworten, besichtigen.

Zum Abschluss führen uns die Kinder noch ein Tanz-Sportprogramm vor, das u.a. eine Lingener Volontärin mit ihnen einstudiert hat. Es macht herzzereißend Spaß , den Kindern zuzusehen, mit wie viel Engagement und Freude sie dankbar daran teilnehmen und auch den Freiwilligen sieht man ein bisschen den berechtigten Stolz darauf an. Wenn ich eine Lehrerin wäre, würde ich sofort hier bleiben und mitmachen wollen, so schön war die Atmosphäre. 

Project:help möchte hier durch neue Schulcontainer den Andrang auf die Schule organisatorisch und räumlich unterstützen. Auch die multifunktionale Assembly Hall ( ähnlich unserer Aula) soll noch vor dem Winter geschaffen werden.

Meine Meinung nach sehr, sehr sinnvolle  Projekte, die jeder nach seinen Möglichkeiten unterstützen sollte.

Am Nachmittag haben wir die Gelegenheit, eine  Geparden – Aufzuchtstation zu besichtigen. Ich verzichte freiwillig darauf, gegen Geld die Tiere zu streicheln. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. In dieser Aufzuchtstation werden die sehr bedrohten Tiere versorgt und gegebenenfalls wieder ausgewildert. Dazu muss man wissen, dass die Farmer, auf mehr oder weniger unschönen Arten, versuchen,   sich dieser Tiere zu entledigen (meist aus Existenzgründen durch Verlust von Viehbestand , nicht aus Lust am Töten dieser Tiere).  Es ist sehr interessant, über ein Projekt zu erfahren, bei dem durch spezielle Hütehunde die Geparden ferngehalten werden konnten. Leider geht es den Farmern zum Teil so schlecht, dass es ihnen finanziell überhaupt nicht möglich ist, so einen Hund zu kaufen, geschweige denn ihn tiergerecht zu füttern. Schade, es könnte doch so einfach sein.

Nobel klingt der Abend im Restaurant 96 Winery Road mit einem dreigängigen Menu aus.

 

Immer wieder gibt es diese krassen Gegensätze, die es mir nicht immer leicht machen, zu genießen. Für mich wären längere Pausen notwendig, um alles zu verarbeiten.

 

 

Tag 8

 

Heute geht es auf einen riesengroßen, typisch südafrikanischen Markt.  Er ist zwar kommerziell, aber trotzdem sehenswert. Man kann dort Handarbeiten, Spezialitäten, Souvenirs und alles, was man sich nur vorstellen kann, erwerben oder probieren. Im Anschluss fahren wir nach Stellenbosch. Hier fühlt man sich in ein anderes Jahrhundert versetzt – unbedingt sehenswert!

Abends speisen wir auf dem wunderschönen Weingut Longridge.

 

 

Tag 9

 

Heute gibt es tolle Aussichten über Täler und Passstraßen bis nach Franschhoek. Natürlich steht auch wieder ein Weingut, Belaire Graeff, sowie verschiedene Spezialitäten bei “ Spice Route“  an. Zurück in unserer Unterkunft wird uns heute ein typisches Braaie serviert, die südafrikanische Variante des Grillens.

 

 

Tag 10

 

Der heutige Tag führt uns zu einem weiteren „Baby“ von project:help, das Masincedane Ausbildungszentrum.

Dort werden die verschiedenen Bewerber in Kursen in den Bereichen Hauswirtschaft, Kochen  oder Krankenpflege ausgebildet. Ziel ist es, sie in Jobs und Arbeitsstellen zu vermitteln.

Dieses Projekt ist für mich besonders unterstützungswürdig. Die vorausgegangenen Projekte hatten immer mit Kindern zu tun; jetzt sind wir in einem Projekt, das sich mit Erwachsenen beschäftigt. Meine persönliche Meinung ist, dass es oft sehr viel schwieriger ist, Erwachsene zu unterstützen. Kinder sind noch offen für Vieles und haben in vielen Fällen zum Glück noch nicht so viele schlechte Erfahrungen oder Misserfolge erlebt.

Hier geht es darum, Menschen, die in den Townships leben, Hoffnung, Ausbildung und die dazu notwendigen Werkzeuge zu vermitteln.

Wir werden vom Organisationsleiter begrüßt, der sich unheimlich viel Mühe gibt, uns das Projekt näher zu bringen. Dazu sehen wir einen Werbefilm, der von zwei jungen Männern aus dem Projekt zusammengestellt wurde – sehr beeindruckend, kann ich nur sagen. 

Als wir in der Lehrküche stehen, sehe ich, wie dort den Menschen die einfachsten Dinge wie z. B. der Unterschied zwischen Würfel, Scheiben oder Sticks schneiden beigebracht werden muss. Schneiden, hacken, waschen, schälen etc – alles muss erklärt und gezeigt werden – Dinge, die für uns selbstverständlich sind und hier für viele einer Erklärung bedürfen. Unfassbar, denke ich im Stillen, aber man denke einmal darüber nach, man wäre in einer Lehmhütte aufgewachsen! Ist es denn da selbstverständlich, dass man weiß, wie man eine Waschmaschine, Spülmaschine oder sonstige Geräte bedient, wenn es nicht einmal Strom oder Leitungswasser gibt?

Ich finde dieses Projekt u.a. auch so gut, weil man, in meinen Augen, einfacher an Spendengelder für Kinder gelangt als für Erwachsene. Aber Kinder brauchen doch auch Vorbilder und wenn das die eigenen Eltern sind…..

Nachmittags gibt es das Kontrastprogramm auf dem Weingut Vergelegen, einfach nur toll. Danach geht es auf das Weingut Morgenster. Dort erlebe ich mein erstes Olivenöl Tasting und habe dabei wirklich viel über dieses Öl gelernt.

Abends speisen wir luxuriös beim Sonnenuntergang direkt am Meer in De Brasserie.

 

 

Tag 11

 

heute noch ein letztes Mal nach Kapstadt; einige von uns setzen über nach Robben Island, der Gefängnisinsel , auf der Nelson Mandela lange gefangen gehalten wurde – heute ein Museum über diese Zeit. Dies hatte ich schon bei meiner ersten Reise nach Südafrika als sehr informativ und berührend empfunden.  Der restliche Teil der Gruppe fährt zum Blouberg Strand.

Das gemeinsame Abschiedsessen findet im Hotel statt. Der „ Cape doctor“  ( starker Wind , auch South Easter genannt)  hat kein Mitleid mit uns, aber die Hotelcrew genügend Decken ..

 

 

Tag 12

 

Time to say goodbye …

Wir treffen uns zu einem gemeinsamen Frühstück, wozu auch Pascale, unsere Reiseleiterin, dazu kommt, die ich bis jetzt noch nicht erwähnt habe. Pascale ist eine gebürtige weiße Südafrikanerin, die fließend Deutsch, Englisch und Afrikaans spricht. Ihr gebührt ein sehr, sehr großer Anteil an dieser erfolgreichen Reise. Pascale wusste einfach alles – egal, ob geschichtlich oder aus Pflanzen- und Tierwelt. Es gab nichts, was sie nicht beantworten konnte und schon gar nichts, das man sie nicht fragen durfte. Wir haben immer offene und ehrliche Antworten (zum Teil auch sozialkritisch) erhalten. Pascale hat die wunderbare Gabe, sich auf die unterschiedlichen Teilnehmer einer Gruppe einstellen zu können, sodass jeder zufrieden war. Sie hat nach wenigen Tagen die Neigungen und Vorlieben von jedem einzelnen aus der Truppe erkannt; sie wusste die Namen und ist auf jeden so persönlich eingegangen, wie man sich das wünscht. Zum Abschluss muss ich sagen, wir hätten keine bessere Reiseleiterin haben können und sie ist eine wunderbare Botschafterin für ihr Land.

Auch Barron, unser Fahrer, war ein Glücksgriff. Immer freundlich, geduldig. Wir fühlten uns sehr sicher mit ihm. Kein Fotostopp war ihm zu viel und wenn Pascale mal wieder eine tolle Idee hatte und die Tour etwas umorganisierte, war er nie mürrisch und hat geduldig auf uns gewartet. Manchmal hatten wir auch die Freude, ihn auf einen Kaffe einladen zu dürfen, denn die Tage waren fast immer sehr lang und wir waren von morgens bis abends unterwegs.

Ich werde oft gefragt, ob ich so eine Reise wieder machen würde? Dazu kann ich uneingeschränkt ja sagen. Bei einer solchen Gruppenreise gibt es viele Individuen, die man in einer Gruppe zusammen halten muss. Das klingt vielleicht zunächst einmal negativ. Aber wir hatten das Glück und die Bereitschaft, viel voneinander lernen zu dürfen. Dadurch konnte man manche Dinge auch mal mit  anderen Augen sehen. Wir haben viel diskutiert, nicht immer mit gleichen Meinungen. Das hat die Reise noch spannender gemacht. Und am Ende ist es nicht so wichtig, ob der eine oder der andere lieber noch ein Weingut mehr, eine historische Stätte oder eine Stadtbummel mehr gemacht hätte, sondern dass  wir alle mit einem Koffer voll schöner Erinnerungen und Erfahrungen, aber auch viel Informationen und Nachdenklichem gesund nach Hause zurück gekommen sind. Wir werden alle noch oft und lange an diese Reise zurück denken und viele von uns werden zurückkehren, da bin ich mir sicher!

 

 

Tag 13

 

Nach einem entspannten nächtlichen Direktflug kommen wir alle wieder in Frankfurt an. Niemand von uns ist in Südafrika Opfer von Verbrechen geworden (es gibt viel zu viele Gerüchte zu diesem Thema).   Auf der Heimreise im Bus nach Lingen haben wir besinnliche Stunden, aber auch reichlich Diskussionsstoff bei einem Abschlussfrühstück „ on the road“.

 

 

P.S.    unsere Gruppe hat sich bereits wieder zum Foto anschauen und Austausch getroffen. Aus einigen Teilnehmern sind Freunde geworden.